Warum tragen Japaner Regenschirme?

2023/06/27

Warum tragen Japaner Regenschirme?


In Japan ist es selbst an scheinbar klaren und sonnigen Tagen ein alltäglicher Anblick, Menschen mit Regenschirmen zu sehen. Dieses einzigartige kulturelle Phänomen hat Besucher aus der ganzen Welt fasziniert. Um zu verstehen, warum die Japaner so häufig Regenschirme tragen, muss man sich mit den historischen, sozialen und kulturellen Faktoren befassen, die zu dieser alltäglichen Praxis beitragen.


1. Historische Wurzeln: Sonnenschutz


Ein wesentlicher Grund für die Allgegenwärtigkeit von Regenschirmen in Japan liegt im historischen Hintergrund des Landes. Seit der Heian-Zeit (794-1185) wurden in Japan leichte Regenschirme aus geölten Regenschirmen verwendet, um sich vor Regen und Sonnenlicht zu schützen. Zu dieser Zeit trug der Adel „Wagasa“-Regenschirme, elegante Accessoires, die seinen Status widerspiegelten.


Im Laufe der Zeit verbreitete sich die Verwendung von Regenschirmen als Sonnenschutz und wurde in der Edo-Zeit (1603–1868) zu einem alltäglichen Anblick. Der als „Higasa“ bekannte Sonnenschirm entwickelte sich zu einem praktischen Accessoire, um Menschen vor Sonnenbrand zu schützen und einen hellen Teint zu erhalten – ein Schönheitsstandard, der in der japanischen Kultur tief verwurzelt ist.


2. Anpassung an Wetterschwankungen


Das gemäßigte Klima Japans zeichnet sich durch relativ hohe Luftfeuchtigkeit und häufige Niederschläge das ganze Jahr über aus. Das Land erlebt in den Monaten Juni und Juli eine Regenzeit (Tsuyu), gefolgt von einer Taifunsaison im Spätsommer und Frühherbst. Aufgrund dieses unvorhersehbaren Wetterverlaufs müssen Japaner jederzeit auf plötzliche Regenschauer oder intensive Sonneneinstrahlung vorbereitet sein.


Durch das regelmäßige Tragen von Regenschirmen können Japaner sich in sengenden Sommern vor unerwarteten Regenfällen oder der starken Hitze der Sonne schützen. Diese Anpassungsfähigkeit an sich ständig ändernde Wetterbedingungen ist zu einem Teil ihrer täglichen Routine geworden.


3. Höflichkeit und Rücksichtnahme gegenüber anderen


Die japanische Gesellschaft legt großen Wert auf Harmonie und Rücksichtnahme auf andere. Das Tragen von Regenschirmen wird als ein Akt der Rücksichtnahme gegenüber den Menschen um ihn herum angesehen. Selbst wenn es nicht stark regnet oder die Sonne nicht brennt, können sich Einzelpersonen mit Regenschirmen vor dem Wind oder der heißen Sonne schützen und so verhindern, dass diese äußeren Faktoren andere beeinträchtigen. Diese Rücksichtnahme auf die Mitbürger ist tief in der japanischen Kultur verankert und Teil ihrer gemeinschaftlichen Denkweise.


4. Mode und Accessoires


In Japan spielt Mode im Alltag eine bedeutende Rolle. Regenschirme sind nicht nur funktionale Gegenstände, sondern auch wichtige Accessoires, die das Outfit ergänzen können. Viele japanische Regenschirmhersteller haben diesen Aspekt erkannt und begonnen, Regenschirme in verschiedenen Designs und Mustern herzustellen, um den Benutzern ein Gefühl für persönlichen Stil zu vermitteln.


Von traditionellen Mustern, die von Kimono-Designs inspiriert sind, bis hin zu modernen Motiven sind Regenschirme zu einer Erweiterung der persönlichen Modewahl geworden. Das Tragen eines stilvollen Regenschirms ist immer mehr zu einer Möglichkeit geworden, sich auszudrücken und sich von der Masse abzuheben.


5. Gesundheitsbewusstsein


Ein weiterer Faktor für die Verbreitung von Regenschirmen in Japan ist das Gesundheitsbewusstsein. Japaner legen großen Wert darauf, ihre Haut vor schädlichen UV-Strahlen zu schützen, die Sonnenbrand, vorzeitige Hautalterung oder sogar Hautkrebs verursachen können. Die Aufhellung der Haut oder die Erhaltung eines hellen Teints ist in Japan seit langem ein Schönheitsideal, da es mit Jugend und Reinheit assoziiert wird.


Das Tragen von Regenschirmen dient der Vorbeugung von Sonnenschäden und wird oft von anderen Methoden begleitet, wie der Verwendung von Sonnenschutzmitteln, dem Tragen von Schutzkleidung oder dem Bedecken des Gesichts mit Masken oder Visieren. Diese gesundheitsbewusste Haltung geht über die Ästhetik hinaus und trägt zum Verständnis dafür bei, warum Regenschirme für viele Japaner zu einem unverzichtbaren Gegenstand geworden sind.


Abschluss


Die japanische Praxis, Regenschirme zu tragen, hat ihre Wurzeln in der Geschichte, in der Anpassung an Wetterschwankungen, Rücksichtnahme auf andere, Mode und Gesundheitsbewusstsein. Von funktionalen Accessoires zum Schutz vor Witterungseinflüssen bis hin zu modischen Artikeln, die den persönlichen Stil unterstreichen: Regenschirme sind in Japan zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden. Der Anblick eines Meeres aus bunten Regenschirmen, die sich durch die Straßen bewegen, bietet einen Einblick in die einzigartige Mischung aus Tradition, Zweckmäßigkeit und Ästhetik, die die japanische Kultur ausmacht.

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